Ein Gast steht am Montag vor verschlossener Tür. Google hatte ihm „geöffnet“ angezeigt, auf deiner Website steht seit Jahren „Montag Ruhetag“. Ein falscher Google-Eintrag ist ärgerlich, aber selten das eigentliche Problem.
Fast nie hat jemand absichtlich etwas Falsches geschrieben. Die Fehler entstehen, weil Daten weitergegeben, automatisch erzeugt und dann vergessen werden. Wer versteht, woher sie kommen, kann sie dauerhaft beheben, statt sie jedes Jahr aufs Neue auszubessern.
- Falsche Angaben entstehen meist nicht bei dir, sondern bei Datenhändlern, Verzeichnissen und Nutzern, die voneinander abschreiben.
- Google, Apple und KI-Systeme übernehmen diese Daten und ergänzen sie mit eigenen Schätzungen.
- Wer nur den Google-Eintrag korrigiert, sieht den Fehler oft wieder, deshalb gehört die Quelle korrigiert.
Dein Unternehmen steht auf mehr Seiten, als du denkst
Die meisten Unternehmen kennen drei oder vier Stellen, an denen sie im Netz stehen: die eigene Website, das Google Unternehmensprofil, vielleicht Facebook und ein Bewertungsportal. Tatsächlich sind es meist ein paar Dutzend. Branchenverzeichnisse, Kartendienste, Navigationssysteme, Bewertungsseiten, regionale Portale und Vergleichsseiten führen eigene Einträge, oft ohne dass du je davon erfahren hast.
Diese Einträge hängen zusammen. Google bezieht seine Informationen laut eigener Aussage aus Millionen Beiträgen von Nutzern, aus Datenfeeds von Drittanbietern und von Websites, die es durchsucht. Verzeichnisse kaufen Daten bei Datenhändlern ein und geben sie weiter. KI-Systeme wie ChatGPT lesen am Ende alles zusammen.







Ein Fehler, der ganz am Anfang dieser Kette entsteht, landet so in wenigen Wochen an vielen Stellen gleichzeitig.
Die 8 häufigsten Ursachen für einen falschen Eintrag
Hinter fast jedem falschen Eintrag steckt eine dieser acht Ursachen. Oft wirken mehrere zusammen.
1. Verzeichnisse schreiben voneinander ab
Viele Branchenverzeichnisse pflegen ihre Daten nicht selbst. Sie kaufen sie bei Datenhändlern ein oder übernehmen sie von größeren Verzeichnissen. In Österreich ist Herold eine wichtige Quelle, in Deutschland sind es Das Örtliche, Gelbe Seiten und 11880. Steht dort ein alter Wert, wandert er in Navigationsgeräte, Sprachassistenten und kleinere Portale weiter. Korrigierst du nur die Kopie, kommt der Fehler mit dem nächsten Datenabgleich zurück.
2. Einträge, die du nie selbst angelegt hast
Viele Einträge entstehen automatisch: aus dem Firmenbuch, aus alten Telefonbüchern oder durch das Auslesen von Websites. Niemand prüft sie, niemand ist als Inhaber eingetragen. Sie zeigen den Stand vom Tag ihrer Entstehung, manchmal viele Jahre alt. Typisch sind die Adresse des ersten Firmensitzes oder die Durchwahl eines Mitarbeiters, der längst nicht mehr im Haus ist.
3. Umzug, neue Nummer, neue Zeiten
Ändert sich etwas, wird zuerst die Website aktualisiert und dann das Google-Profil. Die übrigen Stellen vergisst man, weil man sie gar nicht kennt. Nach einem Umzug stehen so beide Adressen nebeneinander im Netz. Bei Saisonbetrieben kommen jedes Jahr neue Öffnungszeiten dazu, und jede Saison erhöht die Zahl der veralteten Angaben.
4. Jeder darf mitbearbeiten
Bei Google Maps, Apple Karten und OpenStreetMap können Nutzer Änderungen vorschlagen. Das hilft oft und schadet ebenso oft. Ein Gast meldet „dauerhaft geschlossen“, weil er an einem Ruhetag vor der Tür stand, oder jemand trägt eine falsche Nummer ein. Wie groß das Thema ist, zeigt eine Zahl von Google: Allein 2024 wurden über 70 Millionen unzulässige Änderungen an Orten in Maps blockiert oder entfernt. Was durchrutscht, steht dann in deinem Eintrag.
Unternehmensprofil2 VorschlägeIm Google Unternehmensprofil siehst du solche Vorschläge und kannst sie ablehnen. Wer selten hineinschaut, bemerkt sie oft erst, wenn sie längst online sind.
5. Google ergänzt selbst
Google wartet nicht, bis du etwas einträgst. Laut einem Beitrag im Google-Blog aus 2022 erkennt ein KI-Modell veraltete Öffnungszeiten und schätzt neue. Dafür nutzt Google deine Website, Fotos von Schildern aus Street View, die Zeiten ähnlicher Geschäfte in der Nähe und in einigen Ländern automatische Anrufe. Auf diese Weise wollte Google in sechs Monaten die Angaben von über 20 Millionen Unternehmen aktualisieren.
Das beantwortet auch die häufige Frage, woher Google die Öffnungszeiten kennt: Oft hat sie niemand eingetragen, sie sind geschätzt. Seit 2026 zeigt Google Inhabern in ausgewählten Regionen und Branchen im Profil an, welche Informationen es selbst aus dem Netz, über Anrufe oder Nachrichten gesammelt hat.
6. Portale, die nie wieder aktualisieren
Manche Seiten werden schlicht nicht mehr gepflegt. Der Eintrag wurde vor Jahren von einer Agentur oder einem früheren Mitarbeiter angelegt, die Zugangsdaten sind verloren, eine Kontaktadresse gibt es nicht. Solche Seiten werden trotzdem gefunden, und KI-Systeme lesen sie mit.
7. Übersetzungen und Verwechslungen
Internationale Portale übersetzen Angaben automatisch, und dabei geht Bedeutung verloren. Aus „Hunde auf Anfrage“ wird „Haustiere nicht erlaubt“, aus „Ruhetag“ ein leerer Tag. Dazu kommen Verwechslungen: Betriebe mit ähnlichem Namen, Filialen einer Kette oder ein Vorgänger an derselben Adresse werden zu einem Datensatz zusammengeführt. Plötzlich stehen bei dir die Bewertungen oder die Nummer eines anderen.
8. Uneinheitliche Angaben im eigenen Haus
Manchmal liegt die Ursache auch bei dir. Auf der Startseite stehen andere Zeiten als im Impressum, die Speisekarte als PDF ist vom letzten Jahr, die Sonderöffnungszeiten an Feiertagen fehlen. Wer deine Website ausliest, findet zwei Varianten und nimmt die falsche. Einheitliche Angaben zu Name, Adresse und Telefonnummer sind die Grundlage für alles Weitere.
Wie aus einem falschen Eintrag eine falsche KI-Antwort wird
Immer mehr Menschen fragen ChatGPT oder den Google KI-Modus, statt Websites zu öffnen. Diese Systeme lesen zu einer Frage mehrere Seiten und fassen sie zusammen. Stimmen die Quellen überein, übernimmt die KI die Angabe. Widersprechen sie sich, gewinnt häufig die Variante, die öfter vorkommt, und nicht die richtige.
BewertungsportalMo 8 bis 18 Uhr
VerzeichnisMo 8 bis 18 Uhr
KartendienstMo 8 bis 18 Uhr
Ja, das Café Muster hat montags von 8 bis 18 Uhr geöffnet.Dazu kommt das gespeicherte Wissen der Modelle. Was eine KI beim Training gelernt hat, kann Monate oder Jahre alt sein. Ohne Websuche antwortet sie mit diesem Stand.
Wie verlässlich KI-Antworten insgesamt sind, haben die Europäische Rundfunkunion und die BBC 2025 untersucht: Von rund 3000 Antworten auf Fragen zu Nachrichten hatten 45 Prozent mindestens ein erhebliches Problem, oft bei den Quellenangaben. Für Unternehmensdaten gibt es keine vergleichbare Studie. Das Muster ist aber dasselbe: Die KI ist nur so gut wie das, was sie liest. Mehr dazu im Artikel über KI-Halluzinationen.
Warum falsche Angaben immer wiederkommen
Viele Unternehmen kennen das: Der falsche Wert ist korrigiert, und ein paar Wochen später steht er wieder da. Der Grund ist fast immer derselbe. Korrigiert wurde die Kopie, nicht die Quelle. Beim nächsten Datenabgleich überschreibt der alte Datensatz die Korrektur.
Wie verbreitet das Problem ist, zeigt eine Auswertung des Anbieters Uberall von rund 73000 Unternehmenseinträgen aus 2019: Fast die Hälfte hatte Fehler bei den Öffnungszeiten, knapp ein Drittel bei der Website und knapp ein Fünftel bei der Straße.
Fachleute sprechen deshalb von NAP-Konsistenz. NAP steht für Name, Adresse und Telefonnummer, englisch Name, Address, Phone. Gemeint ist, dass diese Angaben überall gleich lauten. Je einheitlicher sie sind, desto eher vertrauen Google und KI-Systeme ihnen, und desto seltener schleichen sich alte Werte wieder ein.
Was das für dein Unternehmen bedeutet
Ein falscher Eintrag kostet selten sofort viel, aber er kostet jeden Tag ein bisschen: eine Rückfrage am Telefon, ein Gast, der woanders bucht, eine Bewertung mit einem Stern, weil die Tür zu war. Welche Angaben wehtun, hängt von der Branche ab.
| Branche | Oft falsch | Folge |
|---|---|---|
| Hotel | Check-in, Parken, Hunde, Wellness | Rückfragen an der Rezeption, Enttäuschung bei der Anreise |
| Gastronomie | Ruhetag, Küchenzeiten, Reservierung | Gäste vor verschlossener Tür, schlechte Bewertungen |
| Praxis | Sprechzeiten, Kassen, Leistungen | Volle Telefonleitung, Anfragen für Leistungen, die es nicht gibt |
| Handwerk | Einzugsgebiet, Notdienst, Telefon | Aufträge, die nie bei dir ankommen |
| Handel | Filialzeiten, Adresse, Abholung | Kunden halten die Filiale für geschlossen |
So findest du heraus, wo Falsches über dich steht
Einen ersten Überblick verschaffst du dir in einer halben Stunde selbst:
- Alte Werte suchen: Gib deine alte Telefonnummer oder Adresse in Anführungszeichen bei Google ein, zum Beispiel „+43 2742 1180“. Jeder Treffer ist eine Seite mit veraltetem Stand.
- Dein Google-Profil prüfen: Sieh dir vorgeschlagene Änderungen an und, falls verfügbar, die von Google gesammelten Informationen. Lehne falsche Vorschläge ab und bestätige die richtigen Werte.
- Die KI fragen: Stell ChatGPT und dem Google KI-Modus Fragen, die deine Kunden stellen würden, etwa „Hat das Café Muster am Montag offen?“. Achte auf die genannten Quellen.
So findest du die auffälligsten Fehler. Vollständig ist das nicht, denn viele Einträge tauchen nur bei genau dem richtigen Suchbegriff auf. faktado.ai durchsucht das Netz automatisch nach allen Fundstellen und vergleicht jede Angabe mit deiner Website. Der Gratis-Check zeigt dir in wenigen Minuten, wo es nicht stimmt.
Ursache statt Symptom beheben
Wer einen falschen Google-Eintrag nur dort ausbessert, wo er ihn gerade sieht, behandelt das Symptom. Dauerhaft hilft eine feste Reihenfolge:
- Website als Quelle festlegen: Alle Angaben stehen dort eindeutig und aktuell, als Text und nicht nur im PDF.
- Eigene Profile angleichen: Google, Apple Karten, Bing und Social Media änderst du selbst, sofort.
- Die Quellen korrigieren: Zuerst die großen Verzeichnisse und Portale, von denen andere abschreiben, dann die kleineren.
- Dranbleiben: Nach einigen Wochen prüfen, ob die Korrektur online ist, und nachfassen, wenn nicht.
Wie du dabei mit KI-Antworten umgehst, liest du im Artikel Falsche Antworten in KI: So kannst du sie korrigieren.
Häufige Fragen
Wer kann meinen Google-Eintrag ändern?
Du als Inhaber und alle, denen du Zugriff auf das Profil gegeben hast. Außerdem kann jeder Nutzer Änderungen vorschlagen, und Google ergänzt Angaben aus eigenen Quellen. Deshalb lohnt es sich, das Profil regelmäßig anzusehen, auch wenn du selbst nichts geändert hast.
Woher kennt Google die Öffnungszeiten?
Aus deinem Profil, deiner Website, Vorschlägen von Nutzern und Daten von Drittanbietern. Fehlen verlässliche Angaben, schätzt Google selbst, etwa anhand von Street-View-Fotos und den Zeiten ähnlicher Geschäfte in der Nähe.
Was sind NAP-Daten?
Name, Adresse und Telefonnummer eines Unternehmens. Stimmen sie überall überein, spricht man von NAP-Konsistenz. Sie ist die Grundlage dafür, dass Google und KI-Systeme deinen Angaben vertrauen.
Wie oft liegt KI bei Unternehmensdaten falsch?
Eine belastbare Zahl speziell für Unternehmensdaten gibt es nicht. Bei Fragen zu Nachrichten hatten laut einer Studie von EBU und BBC 45 Prozent der KI-Antworten ein erhebliches Problem. Bei Unternehmensdaten hängt es vor allem davon ab, wie einheitlich deine Angaben im Netz sind.
Kann ich falsche Einträge löschen lassen?
Bei Verzeichnissen kannst du die Korrektur oder Löschung deines Eintrags verlangen. Ein Google-Profil, das zu deinem Unternehmen gehört, kannst du übernehmen und bearbeiten. Korrigieren ist meist besser als löschen, weil ein gelöschter Eintrag oft automatisch neu entsteht, wieder mit den alten Daten.
